HOME  RALLYES  ORGANISATION  PARTNER  EHRENTAFEL  STATISTIK  KONTAKT  MEDIA 10.-12.11.2017  

Aktuelle Meldungen

2016-11-08
Auf ein „Ford“…
Sprechen wir über die erfolgreichsten Rallye-Autos, so führt kein Weg an ihm vorbei: Der Ford Escort MkII. Mitten hinein in die flippigen 70er Jahre, mit all den langen Haaren, den Koteletten, den Schlaghosen und der Musik von ABBA wurde er „geboren“, der Nachfolger des „Hundeknochens“. Er war die „Dancing Queen“ so berühmter Männer wie Roger Clark, Timo Mäkinen, Hannu Mikkola, Björn Waldegaard, Ari Vatanen oder Russell Brookes. Ihre Namen und vor allem die Erinnerung an die atemberaubenden Drifts, die vor unserem geistigen Auge vorüberziehen, lässt uns noch heute vor Begeisterung das Blut in den Adern stocken.

Seit Mai 1975 war der Escort MkII als RS1800 homologiert. Sein Debüt feierte er bei der Welsh-Rally 1975. Wen wundert´s, dass Roger Clark auf Anhieb siegte. „The winner takes it all“! Das internationale Debüt erfolgte wenige Wochen später bei der Scottish-Rally. Ford setzte vier Werkswagen „under attack“ ein, die im Übrigen mit vier aufeinanderfolgenden Kennzeichen zugelassen waren. Es lebe der originale britische Humor! Die Quertreiber aus Boreham sicherten sich neben dem Gesamtsieg noch die Plätze zwei, drei und fünf. Was für ein Einstand!

Für optimalen Vortrieb, oder sollte man es besser „Querbeschleunigung“ nennen, sorgte ein zwei Liter Alu-Motor, der 240 PS auf die hintere Starrachse brachte. „Mamma Mia“! Zusammen mit den Blattfedern sorgte dieselbe für Traktion in allen Lebenslagen. Desweiteren verfügte der Escort über ein Fünf-Gang ZF-Getriebe sowie vier Scheibenbremsen. Timo Makinen gewann nur sechs Monate nach der Präsentation des Mk2 die RAC-Rallye, die damals noch „Lombard“ hieß, mit dem neuen Escort. „I have a dream“, denn es war der dritte Mäkinen-Sieg in Folge!

Mit genau diesem Auto, das Mäkinen bei der RAC zum Sieg führte, bestritt das junge, aufstrebende finnische Talent Ari Vatanen 1976 die Rallye-Weltmeisterschaft. Doch 1976 war Ford´s „Waterloo“, es blieb ein glückloses Jahr. Einzige Lichtblicke waren der erste Platz von Timo Mäkinen bei der South African Total-Rallye und der Sieg von Roger Clark bei der Lombard RAC-Rallye. Besser lief es da schon bei der Scotttish-Rallye: Russell Brookes überschlug sich „head over heels“, bewies aber mit seinem ersten großen Sieg die Stabilität des Escorts. Ari Vatanen kämpfte mit Problemen des Differentials und war gezwungen, sich eine komplette Hinterachse samt Differential von einem Zuschauer-Capri zu „leihen“!

1977 kam die große Wende in der Rallye-WM. Timo Mäkinen verließ die Mannschaft, Hannu Mikkola und Björn Waldegaard stießen neu dazu. Unbestrittener Star des Teams war der Schwede Waldegaard, mit seinem Sieg bei der nassesten Safari-Rallye aller Zeiten setze er mehr als nur ein „honey honey“. Auch bei der Akropolis-Rallye in Griechenland, der finnischen 1000 Mücken – pardon – 1000 Seen-Rallye und der britischen RAC-Rallye blieb der Escort unschlagbar.

Im Jahr 1978 gelang es Ford dann, nicht nur selbst für Erfolge sondern auch für Schwierigkeiten zu sorgen. Ein von September bis Dezember dauernder Werksstreik beeinträchtigte die Rallye-Einsätze nicht unbeträchtlich. Die Konkurrenz, unter anderem durch den Fiat 131 Abarth, rieb sich die Hände… Doch man sollte sich nicht zu früh freuen, denn dank David Suttons „Aufbauhilfe“ rollte Hannu Mikkola als Sieger über die RAC-Zielrampe.

1979 machte Boreham dann ernst und keine Fehler mehr. Erstmals wurden spezielle Asphalt-Leichtbau-Autos gebaut. „Money, money, money“! Als Dank erntete Ford Punkte bei neun WM-Runden, fünf konnten gewonnen werden und dreimal wurde der zweite Platz erzielt. Keiner konnte dem „blue oval“ wirklich gefährlich werden. Weder Fiat, noch Datsun und auch nicht Lancia, deren „erster Motor auf Rädern“, kurz Stratos genannt, drei Läufe gewinnen konnte. Ford war „the name of the game“ und sicherte sich neben dem Marken-WM-Titel auch den allerersten Fahrer-WM-Titel, der eben erst eingeführten derartigen Wertung, für Björn Waldegaard!

Mit Erreichen dieses großartigen Erfolgs zog sich Ford dann Ende 1979 werksmäßig zurück, um für das bevorstehende Gruppe B-Zeitalter den Escort RS1700T zu entwickeln. Eine Totgeburt, die Ende 1981 - „the day before you came“ - gleich von der Entwicklungsabteilung zur Schrottpresse durchgereicht wurde.

1980 und 1981 setzte der Engländer David Sutton die Fahrzeuge ein. Dank der Unterstützung von Rothmans und Eaton´s Yale erblickten bei David Sutton Cars Ltd. insgesamt 17 neue Escort Mk2 das Neonlicht der Hebebühne. Und obwohl die offizielle Werksunterstützung versagt blieb, waren zeitweise Boreham-Mitarbeiter bei den Veranstaltungen vor Ort. Bei „one of us“ Ari Vatanen hielten sich die Siege und die Totalschäden zwar weiterhin die Waage, aber der Britische Meistertitel 1980 war der bis dahin größte Erfolg des späteren EU-Parlamentariers.

1980 in Portugal sahen wir dann jenes denkwürdige Bild vor uns, als Hannu Mikkola und Ari Vatanen in der gleichen Kurve abseits der Strecke landeten und das auch noch übereinander… „Does your mother know?“, bleibt da nur zu fragen. Nein, und dein Teamchef besser auch nicht, wäre die einzig beruhigende Antwort! Oder um es mit Ari Vatanens historischen Worten zu sagen: „If you have an accident, just have a big one and in front of a TV-camera!“

Trotz all dieser kleinen Widrigkeiten, der schnelle, blonde Ari aus dem hohen Norden errang nicht nur bei der Akropolis-Rallye 1980 seinen ersten WM-Sieg sondern – „on and on and on“ - gleich im Jahr darauf mit dem Escort die Fahrer-WM! Es war der Höhepunkt und fast gleichzeitig auch der Endpunkt der Karriere des Escort Mark 2. Noch den Klang der BDA-Maschinen in den Ohren, die es 1979 immerhin schon auf 270 PS brachten, sagen wir: „Thank you for the music!“

(c) 2004 ks design